Du stehst vor dem Regal im Drogeriemarkt, und fast jede Flasche verspricht etwas anderes: die eine für „definierte Locken", die andere für „kontrollierte Wellen", eine dritte extra für „Coils". Nur – wofür brauchst du das eigentlich, wenn du selbst gar nicht genau weißt, was für ein Lockentyp du überhaupt hast?
In diesem Artikel gehe ich das System der Lockentypen von Typ 2 bis Typ 4 mit dir durch, zeige dir, wie du deinen eigenen Typ zuverlässig bestimmst, und wo die reine Typ-Einteilung an ihre Grenzen stößt.
Das Wichtigste in Kürze
- Lockentypen reichen von Typ 1 (glatt) bis Typ 4 (Coils), mit den Unterstufen A bis C nach Lockendurchmesser und -enge.
- Das System ist eine Orientierung, kein exakter Befund – viele Menschen haben an verschiedenen Kopfbereichen mehrere Lockentypen gleichzeitig.
- Deinen Lockentyp bestimmst du am zuverlässigsten mit luftgetrocknetem, produktfreiem Haar im Vergleich mehrerer Kopfbereiche.
- Neben dem Lockentyp entscheiden Porosität und Haardicke mit, wie dein Haar auf Pflege reagiert.
- Alle Lockentypen profitieren nachts vom selben Prinzip: möglichst wenig Reibung auf dem Kissen.
Inhaltsverzeichnis
Was Lockentypen sind
Das System der Lockentypen teilt Haarstruktur grob in vier Hauptgruppen ein: Typ 1 steht für glattes Haar ohne jede Welle, Typ 2 für Wellen, Typ 3 für Locken und Typ 4 für Coils – enge, spiralige Muster. Innerhalb der Typen 2 bis 4 gibt es jeweils die Unterstufen A, B und C, die den Lockendurchmesser und die Enge der einzelnen Locke beschreiben: A ist die lockerste, weiteste Ausprägung, C die engste und definierteste.
Das System geht auf den US-Friseur Andre Walker zurück. Meist wird es als Tabelle der Lockenarten dargestellt, von Typ 1 bis 4C – die folgenden Abschnitte gehen diese Tabelle Stufe für Stufe durch.
Für die Pflege ist das mehr als Wortklauberei: Wer den eigenen Lockentyp kennt, weiß ungefähr, wie viel Feuchtigkeit und wie viel Gewicht das eigene Haar verträgt, bevor es unter Produkten zusammenfällt oder austrocknet.
Ehrlich betrachtet ist die Einteilung in Lockenarten aber eine Orientierung, kein Befund: Sie beschreibt nur die Form der Locke, nicht ihre Dicke, ihre Porosität oder wie gesund sie ist. Und viele haben nicht nur einen einzigen Lockentyp am ganzen Kopf – etwa am Oberkopf lockerere und im Nacken engere Locken oder umgekehrt. Das ist normal und kein Zeichen für ungleichmäßiges Haar.
Typ 2: Wellen
Wellen sind die sanfteste Ausprägung der Lockentypen, oft erst im nassen oder frisch gewaschenen Haar richtig sichtbar. Typisch ist eine lockere S-Form, die unter dem eigenen Gewicht schnell wieder glatter zieht.
Wer mit Frizz gerade bei 2B- oder 2C-Wellen kämpft, findet in unserem Ratgeber zu Frizz bei Locken zusätzliche Ansätze, die sich gut mit der richtigen Typ-Einordnung kombinieren lassen.

Typ 3: Locken
Ab Typ 3 spricht man von echten Locken statt Wellen – das Haar formt in sich geschlossene Spiralen, die auch im getrockneten Zustand sichtbar bleiben.
Dein Lockentyp verdient den richtigen Schutz
Eine Seidenhaube aus Seidensatin (22 Momme) schützt jede Lockenform über Nacht vor Reibung – von Wellen bis Coils.
Seidenhauben entdecken2C oder 3A? Der häufigste Grenzfall
Kaum eine Abgrenzung sorgt für so viel Verwirrung wie die zwischen 2C-Locken und 3A-Locken. Der Unterschied liegt in der Lockenform: 2C zeigt kräftige Wellen mit einzelnen Locken, während bei 3A bereits das gesamte Haar in geschlossenen Spiralen liegt – nicht nur einzelne Strähnen. Ein Anhaltspunkt: Sieh dir eine einzelne trockene Strähne an. Bildet sie ein eher flaches S, spricht mehr für 2C. Dreht sie sich zu einer runden Spirale um die eigene Achse, ist es eher 3A. Wie bei den meisten Grenzen zwischen Lockentypen ist auch das keine exakte Wissenschaft, sondern eine Annäherung.
Für die Routine macht die genaue Einordnung ohnehin weniger Unterschied, als man denkt – unseren ausführlichen Guide zur Curly Girl Methode kannst du unabhängig davon anwenden, ob du dich eher bei 2C oder 3A einordnest.
Typ 4: Coils
Typ 4 beschreibt die engsten Muster im System, die sogenannten Coils. Diese Haarstruktur ist besonders empfindlich gegenüber Trockenheit und Reibung, weil das natürliche Talg der Kopfhaut die Längen durch die vielen engen Windungen nur schwer erreicht.
Wie du die passende Routine für deinen Lockentyp aufbaust – von Typ 2 bis Typ 4 – liest du ausführlich in unserem Lockenpflege-Guide.
Welcher Lockentyp bin ich? So bestimmst du deinen Typ
Die Frage „welcher Lockentyp bin ich" lässt sich nicht am trockenen, gestylten Haar beantworten – zu viele Produkte und zu viel Styling verändern das Bild. Um deinen Lockentyp zuverlässig zu bestimmen, brauchst du dein Haar so, wie es von Natur aus trocknet.
Wasche dein Haar wie gewohnt, trage aber kein Stylingprodukt auf. Lass es anschließend an der Luft trocknen, ohne es anzufassen, zu kämmen oder zu föhnen. Vergleiche danach drei Bereiche einzeln: eine Strähne am Oberkopf, eine an der Seite über dem Ohr und eine im Nacken. Genau diese drei Zonen unterscheiden sich häufig am deutlichsten.
Das Ergebnis überrascht häufig: Oberkopf, Seiten und Nacken zeigen nicht immer denselben Lockentyp. Das ist kein Zeichen für „falsches" oder ungleichmäßiges Haar – es ist normal, mehrere Lockentypen gleichzeitig am Kopf zu haben. Orientiere dich für die Pflege am Typ, der den größten Teil deines Haares ausmacht.
Wenn du dich nach dem Test zwischen zwei benachbarten Typen nicht entscheiden kannst – etwa zwischen 2C und 3A oder zwischen 3C und 4A – ist das kein Fehler im Test, sondern normal: Die Übergänge zwischen den Stufen sind fließend, nicht scharf getrennt. Ein einmaliger Test reicht in der Regel aus – nur nach einer starken Veränderung, etwa einer neuen chemischen Behandlung, lohnt sich ein zweiter Blick.
Mehr als der Lockentyp: Porosität und Haardicke
Der Lockentyp beschreibt nur die Form der Locke – nicht, wie viel Feuchtigkeit dein Haar aufnimmt oder wie kräftig die einzelne Strähne ist. Zwei Menschen mit demselben Lockentyp können deshalb eine ganz unterschiedliche Pflege brauchen.
Porosität beschreibt, wie leicht die äußere Schuppenschicht Feuchtigkeit aufnimmt und wieder abgibt. Stark poröses Haar nimmt Feuchtigkeit zwar schnell auf, verliert sie aber auch schnell wieder – ein Grund, warum manche Locken trotz reichhaltiger Pflege trocken wirken. Wie du deine eigene Porosität testest, liest du ausführlich in unserem Artikel zu kaputten Haaren, dort findest du den passenden Porositätstest.
Haardicke – gemeint ist der Durchmesser der einzelnen Strähne, nicht die Fülle der gesamten Mähne – entscheidet zusätzlich mit, wie schwer Produkte das Haar machen dürfen, bevor die Locke unter dem eigenen Gewicht zusammenfällt. Feines Haar mit engem Lockentyp braucht oft leichtere Produkte als dickes Haar mit demselben Lockentyp. Wer Lockentyp, Porosität und Haardicke zusammen betrachtet, trifft am Ende deutlich zielgerichtetere Entscheidungen im Drogerieregal als mit der Typ-Einteilung allein.

Ein Teil der Lockenpflege passiert übrigens gar nicht im Bad, sondern nachts – und dort gelten für alle Typen zwischen 2A und 4C dieselben Grundregeln.
Schönheit beginnt im Schlaf
Eine Seidenhaube aus Seidensatin (22 Momme) reduziert die Reibung, die jedem Lockentyp über Nacht die Definition raubt.
Jetzt entdeckenWas jeder Lockentyp nachts braucht
Unabhängig davon, ob du Typ 2A oder Typ 4C bist: Reibung auf einem Baumwollkissen zerstört über Nacht bei jedem Lockentyp die Definition, die du dir tagsüber erarbeitet hast. Der Mechanismus ist bei allen Typen derselbe – nur wie stark er sich auswirkt, unterscheidet sich. Wellen verlieren durch Reibung schnell ihre Form und werden am Ansatz platt, während engere Locken und Coils vor allem an Frizz und aufgerauten Spitzen leiden. Gerade bei mehrmaligem Umdrehen im Schlaf zeigt sich der Unterschied deutlich: Während glattere Wellen einfach die Form verlieren, können engere Locken und Coils durch die Reibung zusätzlich verknoten.
Die passende Schlaffrisur richtet sich nach dem Lockentyp. Bei Typ 3 und Typ 4 hat sich die sogenannte Ananas bewährt: Das Haar wird locker ganz oben auf dem Kopf zusammengebunden, sodass die Locken frei hängen und nicht gequetscht werden. Für Typ 2 ist das oft zu viel Aufwand für zu wenig Struktur – hier reicht meist ein lockerer Zopf, gebunden mit einem Seiden-Scrunchie, der ohne Zug hält und keine Druckstellen hinterlässt.
Egal ob Ananas, lockerer Zopf oder offenes Haar – entscheidend ist, dass möglichst wenig Reibung zwischen Haar und Kissen entsteht. Wie du generell mit Locken schläfst, ohne dass die Definition über Nacht verloren geht, liest du ausführlich in unserem Artikel Mit Locken schlafen.
Genau hier setzt eine Seidenhaube an: Über der Ananas oder dem losen Zopf getragen, reduziert sie die Reibung zwischen Haar und Kissenbezug – unabhängig davon, ob dein Lockentyp 2B oder 4C ist. Für alle Lockentypen gilt derselbe Grundsatz: Was tagsüber an Definition entsteht, entscheidet sich in der Nacht mit, ob es am Morgen noch da ist.
- Das System reicht von Typ 1 (glatt) bis Typ 4 (Coils), mit den Unterstufen A bis C nach Lockendurchmesser und -enge.
- Es ist eine Orientierung, kein exakter Befund – viele Menschen haben an unterschiedlichen Kopfbereichen mehrere Lockentypen gleichzeitig.
- Deinen Lockentyp bestimmst du am zuverlässigsten mit luftgetrocknetem, produktfreiem Haar und dem Vergleich mehrerer Kopfbereiche.
- Porosität und Haardicke entscheiden zusätzlich zum Lockentyp mit, welche Pflege wirklich passt.
- Alle Lockentypen profitieren nachts vom selben Prinzip: möglichst wenig Reibung, zum Beispiel durch eine Seidenhaube.
"Der eigene Lockentyp ist kein Etikett, sondern ein Ausgangspunkt – die passende Pflege entsteht erst danach."



